Warum wir nicht aufgehört haben zu schreiben
Es gibt diesen Moment, in dem man nicht weiß, ob man weitermachen soll.
Für uns kam er an einem Donnerstag im März 2026. Die Leipziger Buchmesse lag gerade zwei Tage hinter uns — noch der Geruch von frisch gedruckten Büchern in der Nase, noch die Energie von Gesprächen, die man führt, wenn man glaubt, man steht am Anfang von etwas. Dann die Nachricht: Der Darkverse by Phantorion Verlag schließt.
Wir erinnern uns alle anders daran. Marie sagt, sie hat die Mail dreimal gelesen, weil sie dachte, sie versteht etwas falsch. Anna hat einfach das Handy weggelegt. Siana hat geweint — und das sagt sie hier zum ersten Mal öffentlich. Julia hat sofort angefangen, Listen zu schreiben, weil Listen sich anfühlen wie Kontrolle, wenn man keine hat. L.E. hat geschwiegen, tagelang.
Was wir alle gemeinsam hatten: Wir haben nicht aufgehört zu schreiben.
Nicht weil es einfach war. Sondern weil Schreiben das Einzige ist, das sich anfühlt wie man selbst, auch wenn alles andere gerade zerfällt. Das Manuskript fragt nicht, ob du einen Verlag hast. Die Figuren warten nicht, bis die Verhältnisse geklärt sind. Die Geschichte will erzählt werden — und irgendwie war genau das der Anker.
Der zweite Anker waren die anderen.
Nicht die Ratschläge. Nicht die gut gemeinten „Das wird schon wieder.“ Sondern das einfache Wissen, dass da jemand ist, der dasselbe durchmacht. Der versteht, was es bedeutet, wenn ein Buch plötzlich kein Zuhause mehr hat. Der nicht erklärt werden muss, warum das wehtut.
Lyria Editions ist aus diesem Wissen entstanden. Nicht aus einem Business-Plan. Aus dem Reflex, sich nicht allein damit sein zu wollen.
Wir schreiben weiter. Gemeinsam jetzt. Und lauter als vorher.
