Was ein Autorinnenkollektiv wirklich bedeutet
Wenn wir sagen, wir sind ein Kollektiv, nicken die meisten. Und stellen sich dann vermutlich vor, wie wir gemeinsam an einem großen Tisch sitzen, Tee trinken und uns gegenseitig Seiten vorlesen.
Die Realität ist prosaischer. Und gleichzeitig schöner.
Ein Kollektiv bedeutet zuerst einmal: Entscheidungen dauern länger. Sieben Menschen, sieben Meinungen, sieben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Buchcover aussehen soll, welche Messe sich lohnt, wie man einen Newsletter schreibt. Es gibt keine Chefin, die am Ende sagt, wo es langgeht. Es gibt Gespräche. Manchmal lange. Manchmal unbequeme.
Und genau das ist der Unterschied zu allem, was wir vorher kannten.
Im Verlag gab es jemanden, der entschieden hat. Das war manchmal erleichternd und manchmal frustrierend — aber es war einfach. Bei Lyria Editions gehört das Buch wirklich uns. Die Entscheidung, wann es erscheint, wie es heißt, was auf dem Cover steht, wie es beworben wird — das liegt bei der Autorin. Aber sie liegt nie ganz allein damit.
Denn das ist die andere Seite des Kollektivs: Du hast immer jemanden, den du fragen kannst. Der das Manuskript liest, wenn du blind dafür geworden bist. Der sagt, dass der Titel nicht funktioniert — und gleichzeitig drei bessere vorschlägt. Der um zwei Uhr nachts noch antwortet, wenn die Selbstzweifel lauter werden als die Vernunft.
Wir pushen uns. Das klingt nach Motivationsspruch, ist aber manchmal sehr konkret: Karlie, die eine Abgabefrist ankündigt, damit wir sie alle einhalten. Lyra, die Screenshots von Leserstimmen in die Gruppe schickt, wenn jemand gerade zweifelt. Marie, die fragt, wie weit du bist — nicht um Druck zu machen, sondern weil sie es wirklich wissen will.
Ein Kollektiv ist kein Verlag. Es ist auch keine Freundinnengruppe, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Es ist etwas dazwischen — eine Arbeitsgemeinschaft, die auf Vertrauen basiert. Auf dem gemeinsamen Wissen, dass der Weg zur Veröffentlichung lang ist und sich leichter geht, wenn man ihn nicht alleine geht.
Wir haben das nicht geplant. Wir haben es gebraucht.
